:: 13.03.2011 - 6 Uur-Run in Stein, NL

31.03.2011 09:23

Am Sonntag, den 13.03.2011, fand in Stein (Holland) in der Nähe von Aachen der 16. Int. 6 Stundenlauf (6 Uur Ultraloop) statt. Bei freundlichen 10-15° C wenig Wind und überwiegend bedecktem Himmel konnten wir zwischen 11:00 und 17:00 Uhr unsere Runden auf der knapp 3.100 m langen und wunderschönen Schleife drehen. Bei internationaler Beteiligung kamen letztlich 178 Teilnehmer in die Ergebnisliste.

Strecke:
Der amtlich vermessene Kurs mit 3.098 m führt überwiegend durch eine schöne Parkanlage im Steinerbos. Die Zeitmessung erfolgte mittels einer Chiptechnik, vergleichbar mit dem bekannten Championchip-System. Der Startort selber, mitten in der Parkanlage vom Steinerbos, war vor der eigentlichen Zeitmessung vorverlegt und wurde so gewählt, dass man beim Überqueren der Zeitmessmatte letztlich auch eine exakte 50-km Zeit erhielt, die dann Bestenlisten tauglich auch anerkannt werden kann. So hatte man zunächst ein Ausgleichstück von rund 432 m zurückzulegen. Nach weiten 16 Runden hatte man die 50 km geschafft. Weiter führte der Kurs durch einen großen Durchlaufpavillion, dem offiziellen Verpflegungsstand, am Hallenbad vorbei, davor und danach die Eigenverpflegungszone mit dem eigenen Tisch direkt an der Strecke und dann über einen ca. 1,5 km langen Radweg zurück zum Eingang vom Steinerbos, der Parkanlage. Insgesamt handelt es sich überwiegend um recht ebene Wege mit viel Asphalt, flüssigen Kurven und vielleicht 5 Höhenmetern je Runde. Trotzdem finden sich auf der Strecke drei 90° Kurven und eine scharfe Spitzkehre von wohl 110-120°, die mit zunehmender Laufzeit immer enger wurde.

Verpflegung:
Wie man es von einem echten Klasselauf dieser Szene kennt bieten die Niederländer fast alles was das Herz begehrt: Isotonische Getränke, Wasser, Tee, Cola, dazu Bananen, Kekse, Frühstücksbrot, Waffeln, Brote mit Käse etc.

Claudia:
Mit der üblen Erfahrung aus Troisdorf angereist wollte Sie sich die Ziele nicht zu hoch hängen, wenngleich die 50 km dennoch vorsichtig im Auge waren. Zuerst vielleicht eine Kleinigkeit zu schnell angegangen, wissentlich, doch irgendwie musste Sie darauf warten, bis es freiwillig langsamer wurde. Das wurde es dann auch, und damit wurde es dann auch schwer, erst etwas und dann noch schwerer, ja und dann viel schwerer, kein harter Kampf, ein viel härterer. Aber Claudia lief weiter, langsam und eigentlich hätte Sie am Ende die letzte Runde auch wandern können, für die 50 km hätte es immer gereicht. Bei 5:41 h hatte Sie Ihr Ziel erreicht, jetzt noch bis zum Auto die 782 m und dann ist Feierabend, keinen Meter mehr, es reicht, die restliche Zeit wird verschenkt, da ist man dann gerne großzügig!

Burkhard:
Nachdem in Troisdorf letzten November die 70 km ganz knapp verfehlt wurden, sollte nach eigentlichem Plan diese jetzt erneut versucht werden. Doch der strenge Winter und eine massive lang anhaltende Grippephase hatten diesen Plan schon lange vernichtet. In den letzten Wochen mit erheblichen Leistungsschwankungen, Trainingsabbrüchen und unerklärlichen Schwächephasen überrascht, war die Unsicherheit noch nie so groß wie vor diesem Lauf gewesen. Trotzdem ging auch er für seine Verhältnisse nicht auf Nummer sicher und damit ebenfalls viel zu schnell an, erfahren genug um zu wissen, dass da ganz schwere Runden auf Ihn zukommen, wenn es so weiter geht. Und es kam wie es kommen musste. Irgendwann nach drei Stunden fing das Elend an. Zuerst wurde er nur langsamer doch da bewegte sich das Tempo noch auf das erhoffte Durchschnitttempo (erdacht vor dem Rennen), doch das hielt nicht lange. Man kann nicht von einem totalen Einbruch reden, mehr ein schleichender Prozess, man denkt, es fehlt etwas, keine Energie. Nicht die Beine, nein der Körper will nicht, will den Stoff, den die Beine brauchen nicht liefern, man fühlt sich "leer und verbraucht - alles tut weh" (frei nach Grönemeyer), nur Flugzeuge hat man nicht im Bauch und in den Beinen schon gar nicht. Am Ende dieser Phase konnte er viele längst mehrfach Überrundete nicht mehr halten, doch er lief ja noch. Unterwegs viel Zuspruch und helfende Leute, Walter Zimmermann (auch ein Läufer) sagt als er überholt wird: " .. ja bei mir wird es jetzt auch ganz schwer ... aber wir beide wir laufen noch ... das ist doch was !" Conny Bullig beim Vorbeilaufen muntert auf, vielleicht kommt es ja gleich noch mal, Ihr Mann Sigi steht am Streckenrand, kann wenig für einen tun, man sieht wie er mitleidet. Emotionen! Doch dann kommt Mattin, Mattin Becker. Burkhard läuft von hinten auf Ihn auf, Mattin will heute "nur" 50 km machen, beginnt gerade seine letzte Runde und bleibt bei Burkhard. Sie kennen sich gut, sind Freunde, sie unterhalten sich, Mattin hört sich die Leiden des Burkhard an. Man fängt an zu rechnen, vergleicht die Zeiten und plant für den Rest der Zeit. Mattin hört gleich auf und Burkhard noch eine Runde, dann wäre er bei 62,2 km, vielleicht noch eine wandern, so in 30 Minuten? Dann wärst du bei 5:24 h + 30 Min., da müsste es bis zum Auto noch reichen, sagt Mattin. Danke - Mattin! Du, ich begleite dich noch bis zum Auto sagte Mattin, als er über die Zeitmessmatte bei km 50 lief, sagte es, zog einen Endspurt an und ward nimmer mehr gesehen ... ??? Was war das denn? Burkhard an den Verpflegungsstand und normal weiter, doch was war das? Irgendwie gingen die Lichter wieder an, hier bei km 59,3. Es lief wieder, erst noch etwas unrund, doch dann ging die Post ab. Kein Gedanke mehr vorher aufzuhören, jetzt wurde gerannt und gerechnet. Doch um 70 km noch zu schaffen, da müsste er schneller als am Anfang laufen und das mehr als 2,5 Runden, fast 8 km. In einem unglaublichen Endspurt - die letzten 2 km in 4:30er Tempo erreichte er letztlich noch die Markierung 2.000 m und hatte am Ende 70,6 km zusammen.

Fazit:
Unsere beiden Hohner haben in Holland gelernt, dass 6 Uur nicht etwa bedeutet, das um 6 Uhr pünktlich gegessen wird und man deshalb zeitig abreisen muss, sondern das in Holland die Uhren auch nicht anders ticken als in Deutschland und 6 Uur dort 6 Stunden bedeutet und dass 6 Stunden ganz schön lang sein können, wenn man wie so ein Hirsch loslegt. Glücklich, zufrieden und total erschöpft haben Sie die Heimat wieder ereicht.

Weitere Info und Ergebnisse findet man hier: http://www.ultraloopstein.nl/

 

  

Claudia ist gut drauf...       Burkhard kämpft am Ende um die 70 km

 

Autor: Burkhard Widera


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Claus Kanngießer